Ausnahmelage A6: Evakuierung Stausteher durch Gafferunfall auf Gegenfahrbahn
A6 ca 22 (!) Stunden voll dicht! LKW mit Gefahrgut verunglückt - Gafferunfall Gegenspur - "Einsatz nur alle Jahrzehnte" - BASF-Spezialisten vor Ort - PKWs verlassen und Insassen in Notunterkunft evakuiert
Urlaubsrückreiseverkehr - A6 weit in den Samstag hinein in beide Fahrtrichtungen voll gesperrt
A6 BEI ÖHRINGEN: Seit rund 17 Stunden voll gesperrt – Gefahrgut-Bergung dauert weiter an
Update: Seit 11:20 Uhr ist die Richtungsfahrbahn Nürnberg wieder frei gegeben. Die Bergung dauert an. Da nach dem Aufstellen und Abtransport des verunfallten LKWs noch das Erdreich abgebaggert werden muss, ist weiterhin mit einer Sperrung bis zum Nachmittag oder gar länger zu rechnen.
Nach dem schweren Gefahrgutunfall auf der A6 bei Öhringen bleibt die Autobahn auch am Samstagmorgen weiterhin in beide Fahrtrichtungen voll gesperrt. Seit dem Unfall am Freitag gegen 17.20 Uhr sind damit inzwischen rund 16 Stunden vergangen. Die aufwendigen Arbeiten an dem umgestürzten Tankzug dauern weiter an und könnten sich bis in den Samstagnachmittag ziehen.
Der mit Gefahrgut beladene Tanklastzug war kurz vor der Anschlussstelle Öhringen in Fahrtrichtung Heilbronn/Mannheim umgekippt. Der Fahrer kam aus medizinischer Ursache von der Fahrbahn ab wurde dabei in seinem Führerhaus eingeklemmt.
„Der Tankzug war noch dicht, der Dieseltank ist ausgelaufen und der Fahrer war im Fahrerbereich direkt beim umgekippten Lkw eingeklemmt“, schildert Timo Kieber, stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Öhringen und Einsatzleiter vom Dienst, die Situation beim Eintreffen.
Für die Feuerwehr begann damit ein Einsatz unter besonders schwierigen Bedingungen. Einerseits musste der eingeschlossene Fahrer möglichst schnell gerettet werden, andererseits erforderte der geladene Gefahrstoff besondere Schutzmaßnahmen.
„Die erste Herausforderung war, dass wir aufgrund der Meldung und der Kennzeichnung des Stoffes eigentlich nur unter Atemschutz vorgehen sollten“, erklärt Kieber. Gleichzeitig hätten die Rettungsmaßnahmen nicht vollständig unter optimaler Gefahrgut-Schutzausrüstung durchgeführt werden können. „Wir haben versucht, hier sehr schnell den Fahrer aus dem Lkw zu befreien.“
Der Fahrer konnte schließlich gerettet und in ein Krankenhaus gebracht werden. Weitere Verletzte gab es nach Angaben der Feuerwehr nicht.
Glück im Unglück hatten die Einsatzkräfte beim Gefahrguttank. Dieser wurde durch den Unfall nur geringfügig beschädigt. „Es war ein minimales Tropfen, das man perfekt noch in einer Wanne auffangen konnte“, so Kieber.
Während der Menschenrettung stellte die Feuerwehr den Brandschutz sicher und legte vorsorglich einen Schaumteppich um den Lkw. Parallel wurde der Gefahrgutzug Öhringen nachalarmiert. Über das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem TUIS wurden zudem Spezialisten der BASF-Werkfeuerwehr hinzugezogen.
Nach der Rettung des Fahrers zogen sich die Einsatzkräfte zunächst zurück und richteten einen Sicherheitsbereich von 50 Metern rund um den Tankzug ein. Kanalschächte und Abläufe entlang der Autobahn wurden abgedichtet. Parallel führte die Feuerwehr Messungen durch. Außerhalb des unmittelbaren Unfallbereichs wurden dabei nach Angaben Kiebers keine auffälligen Werte festgestellt.
Die lange Vollsperrung ist vor allem eine Sicherheitsmaßnahme. Nach Beratung durch Chemie-Fachberater bestand aufgrund eines niedrigen Flammpunktes des geladenen Stoffes eine Brandgefahr. „Wir haben hier aus Vorsichtsgründen dann diese 50 Meter eingehalten“, erklärt Kieber.
Zusätzlich kam es auf der Gegenfahrbahn zu einem Auffahrunfall. Nach Darstellung der Feuerwehr hatten Verkehrsteilnehmer auf die Gefahrgut-Unfallstelle geschaut und dabei offenbar den vorausfahrenden Verkehr aus den Augen verloren. „Das waren die Schaulustigen, die einfach lieber auf die linke Seite schauten und nicht auf den Vordermann“, sagt Kieber.
Die A6 wurde schließlich in beiden Fahrtrichtungen vollständig gesperrt. Zahlreiche Fahrzeuge mussten später durch die Polizei aus dem gesperrten Bereich ausgeleitet werden. Menschen, die ihre Fahrzeuge im Gefahrenbereich zunächst verlassen mussten, wurden zeitweise in einer Notunterkunft untergebracht und vom Roten Kreuz versorgt.
Am Samstagmorgen ist die Autobahn nach rund 16 Stunden noch immer dicht. Der Grund: Bevor der umgestürzte Tankzug wieder aufgerichtet werden kann, muss der Gefahrstoff fachgerecht umgepumpt werden. „Die Autobahn bleibt beidseitig vollgesperrt, bis der Lkw umgepumpt ist und aufgerichtet“, hatte Kieber bereits während des nächtlichen Einsatzes angekündigt.
Für die Feuerwehr ist der Einsatz trotz ihrer Erfahrung auf der viel befahrenen A6 außergewöhnlich. „Das ist ein Einsatz, den man glücklicherweise nur alle Jahrzehnte hat“, sagt Kieber. Die Feuerwehr Öhringen verfüge zwar selbst über einen Gefahrgutzug, bei einem Einsatz dieser Größenordnung und dem betroffenen chemischen Stoff seien jedoch die Spezialisten von TUIS und der Werkfeuerwehr mit ihrem besonderen Equipment erforderlich.
In der Spitze waren rund 140 Einsatzkräfte mit etwa 20 bis 25 Fahrzeugen beteiligt. Neben den Feuerwehren Öhringen und Neuenstein waren unter anderem Kräfte aus Künzelsau, das THW und das Rote Kreuz vor Ort. Das THW übernahm unter anderem die Ausleuchtung der Einsatzstelle.
Wann die A6 wieder für den Verkehr freigegeben werden kann, hängt vom weiteren Verlauf des Umpumpens und der anschließenden Bergung ab. Nach inzwischen rund 16 Stunden Vollsperrung könnte sich der Einsatz bis in den Samstagnachmittag hineinziehen.
Nach Informationen der "Stimme" wurde in Fahrtrichtung Mannheim um 15.35 Uhr zunächst die linke Spur freigegeben.
Vollständig befahrbar auf allen Fahrspuren ist die Autobahn seit 18 Uhr.